Der weibliche Zyklus

Der weibliche Zyklus

Wie bereits beschrieben, verteilen sich die Ursachen für die ungewollte Kinderlosigkeit gleich häufig auf Mann und Frau. In den meisten Fällen muss allerdings, selbst wenn nur der Mann betroffen ist, die Frau mit behandelt werden.

Um die nächsten Untersuchungsschritte und die Behandlungsmöglichkeiten für Sie verständlicher zu machen, schildern wir deshalb kurz die natürlichen Abläufe während des normalen weiblichen Monatszyklus.

Die übergeordnete Steuerungszentrale des Monatszyklus ist das Mittelhirn (Hypothalamus). Dieses sendet über Freisetzungshormone (Gonadotropin-Releasing-Hormone, GnRH) Signale an die Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Die Hirnanhangdrüse setzt daraufhin zwei Sexualhormone frei. Es handelt sich hierbei zum einen um das follikelstimulierende Hormon (FSH) und zum anderen um das luteinisierende Hormon (LH).

FSH fördert das Wachstum und die Entwicklung der Eizelle. In den Eierstöcken (Ovarien) reifen unter dem Einfluss von FSH alle vier Wochen etwa ein bis drei Eizellen heran. Jede dieser Eizellen liegt in einem Eibläschen (Follikel). Dieses bildet weibliche Geschlechtshormone (Östrogene). Östrogene bewirken den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) und die Verflüssigung des Sekretes im Gebärmutterhals, so daß den Samenzellen das Eindringen in die Gebärmutterhöhle erleichtert wird.

Um die Zyklusmitte erreicht die Ausschüttung von LH aus der Hirnanhangdrüse ihren Höhepunkt. Der plötzliche LH-Anstieg bewirkt, dass der reife Follikel platzt. Die Eizelle tritt aus dem Eierstock heraus. Dies nennt man Eisprung (Ovulation).

Aus den Resten des Follikels entsteht der Gelbkörper (Corpus luteum), der das Gelbkörperhormon (Progesteron) herstellt. Durch das Progesteron wird die Schleimhaut der Gebärmutter auf die Einnistung der befruchteten Eizelle vorbereitet. Außerdem steigt durch das Progesteron die Basaltemperatur ein bis zwei Tage nach dem Eisprung um etwa 0,5 Grad an und bleibt in der zweiten Zyklushälfte erhöht. Die Basaltemperatur ist die Körpertemperatur, die nach dem Aufwachen, aber vor dem Aufstehen gemessen wird.

Nach dem Eisprung wird die Eizelle von dem trichterförmigen Ende des Eileiters, der sich über den Eierstock stülpt, aufgenommen. Sie ist etwa 24 Stunden lebens- und befruchtungsfähig. Spermien können bis zu 48 Stunden oder länger im Körper einer Frau überleben. Die ideale Zeit für eine Befruchtung beginnt somit 2 Tage vor dem Eisprung und ist am Tag der Ovulation beendet. Da man in der Regel den genauen Zeitpunkt des Eisprungs nicht kennt, gilt der 9. bis 16. Zyklustag für die Empfängnis als optimal. Noch im Eileiter treffen die Samenzellen auf die befruchtungsfähige Eizelle. Im Idealfall durchdringt ein Spermium die Eihülle; die Erbanlagen von Mutter und Vater verschmelzen. Auf dem Weg zur Gebärmutter teilt sich die befruchtete Eizelle mehrmals. Man spricht jetzt von einem Embryo. Nach vier bis fünf Tagen ist das Ziel erreicht: Der Embryo kann sich in die Gebärmutterschleimhaut einnisten (Implantation). Die Schwangerschaft beginnt. Von diesem Zeitpunkt an werden Botenstoffe, vor allem humanes Choriongonadotropin (hCG), an den mütterlichen Organismus abgegeben; sie sorgen in den nächsten acht Wochen für den Erhalt des Gelbkörpers im Eierstock. Der Gelbkörper bildet das Hormon Progesteron und erhält damit die Schwangerschaft. Später übernimmt der Mutterkuchen (Plazenta) diese Aufgabe und produziert die Hormone. Findet keine Befruchtung statt oder nistet sich die befruchtete Eizelle nicht ein, bildet sich der Gelbkörper zurück. Die Gebärmutterschleimhaut wird durch die nächste Monatsblutung (Menstruation) wieder abgestoßen. Mit einsetzender Menstruation fällt auch die Basaltemperatur wieder ab.

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